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Steuererklärung als Student

Avatar of Jonas Brüdern Jonas Brüdern - 13. September 2018 - Steuerberatung, Arbeiten bei Garrn & Nett

Als dualer Student in einer Steuerkanzlei habe ich mich natürlich auch damit beschäftigt, ob es sich lohnt für mich selber eine Steuererklärung abzugeben. Dabei habe ich gemerkt, dass das Thema ziemlich komplex ist und es immer auf den Einzelfall ankommt. Nachfolgend habe ich für euch die wichtigsten Informationen zu diesem Thema zusammengetragen und hoffe dadurch etwas Licht ins Dunkle bringen zu können.

Wie funktioniert eine Steuererklärung eigentlich? Gebe ich dort an, welche Kosten ich aufgrund des Studiums hatte und bekomme dann alle Studienkosten wieder zurück?

Nein, so einfach ist das leider nicht. Man bekommt bei der Steuererklärung keine Kosten, sondern nur Steuern zurück. Genauer beschrieben funktioniert das wie folgt: Ein Angestellter verdient z.B. 30.000 € brutto im Jahr, davon zieht der Arbeitgeber monatlich einen Teil an Lohnsteuer ab und zahlt sie an das Finanzamt. Am Ende vom Jahr macht der Angestellte seine Steuererklärung und gibt dort Werbungskosten (Aufwendungen, die der Erwerbung/ Sicherung und Erhaltung von Einnahmen dienen, z.B. Fahrtkosten oder Arbeitsmittel) in Höhe von 3.000 € an. Diese Kosten kann er von seinen Einnahmen abziehen, sodass er nur noch 27.000 € versteuern muss. Die zu viel gezahlte Steuer bekommt er vom Finanzamt zurück.

Jetzt hat man als Student jedoch meistens keine oder nur geringe Einkünfte. Lohnt sich dann eine Steuererklärung als Student überhaupt?

Ja, sobald eine der folgenden Voraussetzungen gegeben ist, lohnt es sich auch als Student eine Steuererklärung abzugeben:

  • Man hatte Einkünfte, von denen Lohnsteuer einbehalten wurde (zum Beispiel bei einer Tätigkeit als Werkstudent)
  • Man kann mit seinen Werbungskosten einen Verlustvortrag bilden und diesen dann in dem Jahr auflösen, in dem man zum ersten Mal ein positives Einkommen hat und Steuern bezahlt.

Woher weiß ich, ob ich bei meiner Arbeit Lohnsteuer gezahlt habe?

Am Ende einer steuerpflichtigen Beschäftigung, spätestens aber am Ende jeden Jahres, erhält man von seinem Arbeitgeber den sogenannten „Ausdruck der elektronischen Lohnsteuerbescheinigung“. In ihr ist angegeben, wie viel man dort verdient hat und ob dabei Lohnsteuer einbehalten und an das Finanzamt abgeführt wurde (die einbehaltene Lohnsteuer steht dort in Zeile 4). Ein 450 € Job wird meistens pauschal vom Arbeitgeber versteuert, bei ihm bekommt man keinen solchen Ausdruck.

Jetzt hatte man keine Lohnsteuer bezahlt. Wie funktioniert das also mit dem Verlustvortrag?

Dazu ein kurzes Beispiel: Student B hat im Jahr 01 1.000 € Einkünfte und 2.500 € Werbungskosten. Dadurch hat er 1.500 € Verlust. Diesen Verlust nimmt er als Verlustvortrag mit in das nächste Jahr. Im Jahr 02 hat er keine Einnahmen und 2.000 € Werbungskosten. Also einen Verlust von 2.000 €. Zusammen mit dem Verlustvortrag aus dem Jahr 01 nimmt er dann einen Verlustvortrag in Höhe von insgesamt 3.500 € mit in das Jahr 03. Im Jahr 03 geht Student B das erste Mal arbeiten, verdient 30.000 € und zahlt Lohnsteuer. Bei der Steuererklärung für das Jahr 03 zieht er den Verlustvortrag in Höhe von 3.500 € und weitere Werbungskosten in Höhe von 2.000 € von seinen Einnahmen ab und muss somit nur 24.500 € versteuern. Die zu viel bezahlte Steuer bekommt er erstattet.

Achtung! Es gibt einen Unterschied zwischen Werbungskosten und Sonderausgaben. Einen Verlustvortrag kann man jedoch nur mit Werbungskosten bilden.

Wann sind also die Studienkosten Werbungskosten und wann „nur“ Sonderausgaben?

In folgenden Fällen sind Studienkosten Werbungskosten und es ergibt sich ein Verlustvortrag:

  • Man hat vor dem Erststudium bereits eine Berufsausbildung abgeschlossen
  • Das Erststudium findet im Rahmen eines Dienst- oder Ausbildungsdienstverhältnisses statt (z.B. duales Studium oder bei Offizieren)
  • Man befindet sich im Zweistudium nach einem abgeschlossenem Erststudium
  • Als Lehramtsstudent oder Jurist während des Referendariats (nach dem ersten Staatsexamen)

In den oben genannten Fällen sind Studienkosten also in unbegrenzter Höhe abziehbar und es lässt sich ein Verlustvortrag bilden.

Anderenfalls sind Studienkosten für ein Erststudium als Sonderausgaben nur bis zu 6.000 € in demselben Jahr abziehbar, in dem sie auch entstanden sind. Aber es gibt Hoffnung! Der Bundesfinanzhof hält diese Regelung nämlich für verfassungswidrig, sodass das Bundesverfassungsgericht aktuell prüft, ob nicht auch die Kosten für ein Erststudium als Werbungskosten zu behandeln sind.

Wenn man als Student im Erststudium eine Steuererklärung abgibt, sollte man die Studienkosten trotzdem als Werbungskosten angeben und den Einkommensteuerbescheid, den das Finanzamt dann erstellt, mit dem Hinweis auf das laufende Verfahren beim Bundesverfassungsgericht offen halten. 

Diese Zusammenfassung ersetzt keine einzelfallbezogene Beratung, die aufgrund der Komplexität des Themas erforderlich ist. Für Richtigkeit und Vollständigkeit wird keine Gewähr übernommen.

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